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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was tun bei unfähigem Chef?



softi
10.01.2008, 20:31
Hallo zusammen

Ich habe eine delikate Frage. Arbeite in einem kleinen Betrieb, 2 Inhaber einer ist auch Geschäftsführer. Daneben sind wir noch 3 Mitarbeiter.

Derr Chef ist mit seinem Job bis über beide Ohren komplett überfordert. Das ihm in einer Softwarefirma die Technik davon läuft, ist noch begreiflich.
Aber auch in der Mitarbeiterführung ist das reinste Chaos. Leute einstellen dann doch wieder nicht, sie nach drei Wochen wieder entlassen. In Planungssitzungen wird nur Monlog geführt, wir müssen uns lächerliche Moralpredigen anhören wie ich sie seit der Schule nicht mehr gehört habe.
Dazu muss man noch sagen, das 2 der 3 Mitarbeiter, für die Firma so gut wie nicht ersetzbar sind, weil sie jahreslanges Know How in grossen Projekten besitzen, die von keinem der beiden Inhaber nur im entferntesten kompensiert werden können, und auch die Ressourcen für einen Ersatz kaum ausreichen.

Das vernünftigste wäre wahrscheinlich einfach einen neuen Job zu suchen. Ich finde aber diese Situation soziologisch auch noch einwenig spannend. Rein finanziell hat man nichts zusagen, der Chef möchte eigentlich am liebsten alles selber machen oder immer andere Mitarbeiter die er gerade hat. Auf der andern Seite sind ihm mehr die Hände gebunden, als seinen Mitarbeitern weil er auf sie nicht verzichten kann und steht durch diese unliebsame Macht stark unter Druck.
Die Ausgangssituation der Firma wäre eigentlich nicht mal so schlecht. Aber aus Angst man würde nochmehr Einfluss verlieren, wird jede Kreativitär unterdrückt.
Ansprechen auf diese Situation bringt rein nichts, auch nicht beim Geschäftspartner.

Kennt diese Situation jemand? Wie verhält man sich da?

soft

Landi
10.01.2008, 22:12
Hi

Sicherlich keine einfache Situation
Ich bin ja noch relativ jung (somit auch noch ein wenig unerfahren) aber ich kenne die Situation das Ideen ausgewichen wird und direktes Ansprechen des Kernproblemes ignoriert wird.

Vermutlich ist es das beste ihr 3 Mitarbeiter verfasst einen Brief (kann man nicht ausweichen und liest man meistens auch fertig) in dem ihr die Situation schildert samt allen Nachteilen für die Firma und eure Motivation. Verlangt darin, dass das Thema zumindest in einer separaten Sitzung ausführlich besprochen wird oder die Situation ansonsten nicht weiter tragbar ist für euch, sprich evtl. sogar mit Kündigung drohen.

Mach das aber bitte auf keinen Fall bevor noch weitere Meinungen kommen.
(Bin wie gesagt noch recht unerfahren in solchen Dingen)

Gruss
Landi

Lordicon
11.01.2008, 00:46
Grundsätzlich gilt leider... "Der Chef hat nicht immer Recht, aber ist immer der Chef" gerade dann,
wenn ihm die Firma gehört.

Ich habe ähnliche Situationen erlebt und du kannst dich nur schadlos halten, indem du klare Abmachungen
vereinbarst und von deiner Seite her einhälst.

In meinem Fall hab ich mir zumindest so den Respekt erarbeitet. Eskalation ist sicherlich keine Lösung,
und führt eher zum Gegenteil.

Natürlich gibt es Grenzen und sind diese erreicht versuche einen sauberen
Abgang zu machen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich denke jedoch auch, dass es für eine Eskalation immer 2 braucht und machmal ist auch ein Körnchen Wahrheit
in der Sache zu finden. Ich würde ein persönliches Standortgespräch verlangen um für dich gültige Fakten zu erhalten
und nicht wilde Anschuldigungen hinnehmen zu müssen. Ein solches Gespräch läuft dann in Regel auch sachlicher ab.

In Grossfirmen ist die Qualifikation der Mitarbeiter ein wiederkehren Prozess, warum also nicht auch in kleinen
Firmen ;)

Hilft das weiter ?

traffic
11.01.2008, 08:26
Ich schätze jetzt einfach mal drauflos:

Alter: > 55
Gender: male
eigentliche Ausbildung: sicher nicht Informatik und schon gar keine Führung von Menschen
Auspregung: Diktator

Also wenn es sich um eine finanziel gut abgesicherte Firma handelt, bin ich sonst bereit die Führung zu übernehmen und den überlasteten Chef abzulösen. :D

Wenn die Angaben oben stimmen, wird sich an der Situation mit noch so vielen Massnahmen nichts ändern. Der Führungsstil, welcher der "alten" Generation mitgegeben wurde, ist diese, dass alles in den Händen des Chefs liegen muss. Delegation wurde damals als Faulheit verstanden und war somit inakzeptabel.
Die einzige Massnahme, welcher der Situation helfen würde ist, den Chef vertraglich dazu zwingen, einen Treuhänder einzustellen und die Organisation (mit einem externen Berater) zu reengineeren.

traffic

Gandalf
11.01.2008, 11:55
Hallo Soft

Wie Du die Situation schilderst, scheint die Firma in Ihrer Existenz gefährdet zu sein. Ein Ausstieg als Mitarbeiter ist also wohl ein absolut vernünftiger Weg.

Aber natürlich kann man auch erst versuchen die Situation zu verbessern. Ein Weg wäre zum Beispiel:

1. Zwischenzeugnis verlangen (Gibt das bei diesem Chef Probleme?)
2. Abklären ob man auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle finden kann.

2.a wenn ja, Mit Chef über seine Befürchtungen sprechen
- Wenn es nichts bringt, eine neue Stelle suchen
2. b wenn nein, Mund halten bis man eine Stelle findet
3. Die Kündigung so gut/nett/normal wie irgend möglich gestalten, da man sonst möglicherweise mit dem Zeugnis oder einer möglichen Referenz Probleme bekommt.

Solche Situationen sind oft sehr schwierig und belastend für alle Beteiligten. (Auch für den Chef) Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass leider oft nur eine Trennung eine "Lösung" bringt.

softi
11.01.2008, 22:00
Es ist mir natürlich schon klar, das solche Aussagen einseitig sind, und man für eine objektive Beurteilung zumindest beide Seiten anhören müsste.
Nehmen wir also einfach mal an es wäre so.

Wie ich schon geschrieben habe, hat für mich das Mitverfolgen auch noch so seinen Reiz, sonst wäre ich wahrscheinlich auch nicht mehr dort. Aber irgendwie wird man auch nach 8 Jahren etwas träge sich wiedermal neu zuorientieren, und bleibt dann eben länger hängen als wenn man erst 1 Jahr dort wäre.

@traffic:
Du liegst mit deiner Vermutung nicht schlecht, vorallem nicht bei der Ausbildung.
Diktator würde ich aber nicht sagen. Ist mehr Dran nachg Selbstbestätigung, selbst Überschätzung und Geltungssucht.
Ich habe auch keinen Hass oder dergleichen gegen ihn, sondern eher nur Mitleid.

softi