Gegeben sind zwei Computer gleicher Bauart (256 MByte RAM, 40 GB Harddisk, 2 GHz Intel Prozessor, externes USB-DVD-Laufwerk). Anzuschliessen sind Drucker (HP 920c), Digitalkamera (Sony DSC P150) sowie ein Scanner (Canon LiDE 60). Verwendet werden (mit Ausnahme des Druckers) ausschliesslich USB-Geräte. Das Ziel besteht darin, einen heute gebräuchlichen Office-PC zu installieren, auf dem ein Office-Paket zur Verfügung steht und der auch als einfacher Multimedia-PC (Abspielen von DVDs) gebraucht werden kann. Gegeben ist weiter ein ADSL-Anschluss. Auf dem PC sollte es möglich sein, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache zu arbeiten.
Die Wahl der Windows-Version fiel auf Microsoft Windows XP Professional. Vista RC1 hätte zwar auch getestet werden können; alleine die Hardware wäre aber überfordert gewesen. Windows XP Home kam nicht in Frage, weil es nicht multilingual ist. Bei Linux fiel die Wahl auf KUbuntu, weil KDE in Europa weiter verbreitet sein dürfte. XUbuntu schied aus, weil die deutsche Übersetzung derzeit nicht zu überzeugen vermag. XUbuntu könnte aber eine gute Wahl darstellen, wenn ein alter PC zum Einsatz kommt, denn KDE benötigt deutlich mehr Ressourcen als XFace bei XUbuntu.
Um sicher zu gehen, dass mir nicht Anfängerfehler unterlaufen, habe ich die Betriebssysteme auf der Hardware zweimal installiert. Gerade bei Windows XP schien mir das Resultat des ersten Versuchs wenig überzeugend; die ca. 2 Jahre alte Windows XP CD lief auf dem externen USB-Laufwerk extrem langsam, weil das Setup-Programm des Windows-Installers USB 2.0 nicht unterstützte. Darauf habe ich den Weg in die nächste grosse Buchhandlung unter die Füsse genommen und dort praktisch nur Academic- und Home-Versionen von XP vorgefunden. Auf Nachfrage verkaufte man mir letztlich eine OEM -Version Windows XP Professional für sFr. 248.--. Bei Ubuntu verwendete ich beim ersten Versuch XUbuntu, um dann feststellen zu müssen, dass die Übersetzung und das Outfit nicht allzu professionell wirken.
WINDOWS XP Professional OEM (inkl. SP2)
Abends um 9 Uhr habe ich die Installation begonnen. Unter den fünf CDs brauchte ich ein zwei Minuten um herauszufinden, dass ich zwingend mit der spiegelnden englischen CD-Version arbeiten muss. German kann erst nach der Installation hinzugefügt werden. Weitere 15 Minuten vergehen, bis ich herausfinde, dass die OEM-Installation nur funktioniert, wenn die Festplatte nicht bereits mit Windows bestückt ist. Also lege ich die KUbuntu CD ein und erledige den Job mit 'cfdisk' (Formatierprogramm). Danach kann es losgehen. Nach ca. 25 Minuten startet das Formatieren der Festplatte. Dieses dauert weitere ca. 20 Minuten; es wäre wohl besser gewesen (Quick Format) zu wählen. War aber nicht voreingestellt und so hielt ich mich an die Vorgaben. Anschliessend erfolgt ein Booten.
Nach ca. 50 Minuten kann ich in einem grafischen Modus (VGA) den bekannt berüchtigten XP-Freischaltcode eingeben. Weil die Schrift des Keys auf der Verpackung extrem klein ist, brauche ich auch dazu ca. zwei Minuten, bis alle Buchstaben/Zahlen stimmen. Es erfolgen Abfragen zu Tastatur und Sprache. Anschliessend installiert sich XP weitgehend selbständig, wobei der Vorgang ca. 40 Minuten benötigt, bis sämtliche Dateien installiert sind. Derweil werden mir einige Informationen zu XP gegeben; die allerdings etwas veraltet wirken (was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass XP schon einige Jahre auf dem Markt ist).
Nach ca. 1 Std. 30 Minuten ist die Grund-Installation geschafft. Ein erneutes Booten ist notwendig, um anschliessend in SVGA (800x600) arbeiten zu können. Letztlich fehlen aber sowohl Netzwerk, Grafikkarte und Sound. Dazu lege ich die den Computern beigelegte Installations-CD ein. Das mit Intel-Chipsatz bestückte System benötigt mit ca. 4 Setup-Programmen insgesamt ca. 15 Minuten. Danach kann ich auf das Netzwerk zugreifen und den gewohnten Windows-Sound geniessen. Auch bei diesen Programme werde ich jeweils relativ klar zum Reboot aufgefordert. Ich bin dem nachgekommen, allerdings erst, nachdem ich die Additional-CD einlegte, um nun endlich German (das deutsche Sprachpaket) nachinstallieren zu können. Danach habe ich zwar einen deutschen Willkommens-Bildschirm, noch aber keine deutschen Menüs, sodass mir ein Reboot sinnvoll erschien, und in der Tat, das gesamte System liegt nun in Deutsch vor.
Nun installiere ich Firefox und lade OpenOffice herunter. Firefox scheint mir grundsätzlich unter Windows keine schlechte Wahl zu sein. Der Vorgang gestaltet sich im übrigen schnell und auch OpenOffice ist in ca. 15 Minuten installiert. Nach ca. 2 Std. 15 Minuten bin ich soweit ready to Write. Kritiker/innen mögen einwenden, ich hätte Microsoft Office installieren müssen, nur das wäre ganz sicher nicht schneller gegangen...
Der HP-Drucker wird automatisch erkannt, ich kann direkt die Testseite drucken. Beim Scanner ging ohne Installations-CD seitens des Herstellers gar nichts, auch diese Installation dauert ca. 10 Minuten; auf einen Neustart verzichte ich, obwohl es mir erneut empfohlen wird. Die Digitalkamera von Sony wird problemlos erkannt.
Nun wollte ich DVDs abspielen. Sowohl die unverschlüsselte als auch die verschlüsselte DVD (Nashville von Robert Altmann, im Original auf DVD erworben) laufen nicht. Zum Glück lag dem externen DVD-Laufwerk, das ich erworben hatte, ein PowerDVD in Version 5 bei. Also installiere ich diese Software (mit Freischalt-Key) und schliesslich kann ich nach guten 2 Std. 35 Minuten feststellen. Aufgabe erfüllt.
Halt, da ist noch das Runterfahren. Dieses wird um ca. 3 Minuten verzögert, weil (ungefragt und ohne Vorwarnung) noch einige Updates installiert wurden.
LINUX KUbuntu 6.10
Weil es am ersten Abend für KUbuntu nicht mehr gereicht hat, lege ich am nächsten Morgen um 9 Uhr los. Die Installation erfolgt ab einer selbstgebrannten CD. Die Zeit zum Brennen habe ich KUbuntu nicht angerechnet, weil ich ansonsten ja fairerweise den Gang in die Buchhandlung für das XP auch hätte einkalkulieren müssen.
Beim Einlegen der CD gelange ich nach ca. 1 Minute in einen grafischen Modus. Dann und wann wackelt der Bildschirm etwas. Nach ca. 5 Minuten habe ich einen grafischen Bildschirm vor mir, die Soundkarte begrüsst mich. Auf dem Desktop gibt es zwei Icons. Eines davon heisst 'Install'. Darauf klicke ich nun. Zunächst sehe ich ein Icon, dass dem Mauszeiger folgt, anschliessend passiert etwa 30 Sekunden lang nichts. Dies verwirrt, weil keine weiteren Meldungen erfolgen (ungeduldige Gemüter werden wohl das Installationsprogramm mehrfach starten).
Nach ca. 1 Minute erscheint ein Willkommensgruss und die Aufforderung die Sprache zu wählen. Nach ca. 3 weiteren Minuten habe ich sämtliche Einstellungen, die Installation kann beginnen. Nach weiteren 15 Minuten sagt KUbuntu, ich hätte 50 Prozent der Installation. Nach ca. 25 Minuten ist die Installation am Ende angelangt; der zweite Teil dauert also etwas länger als angekündigt. Ab Sprachwahl erfolgt die Installation in der jeweiligen Sprache, die gewählt wird. Am Ende der Installation kann ich auf einen Button klicken, um das System neu zu booten.
Sowohl Grafikkarte, Sound und Netzwerk funktionieren problemlos. OpenOffice ist komplett eingerichtet. Nach ca. 32 Minuten könnte ich bereits arbeiten. Weniger einfach gestaltet sich die Installation des Druckers. Der HP-Drucker wird nicht automatisch erkannt. Zwar führt mich das Installationsprogramm Schritt für Schritt zum Ziel und beim Druckertest erhalte ich eine Meldung, der Test sei erfolgreich, eine Testseite wird aber nicht gedruckt. Diese kann ich bei den Systemeinstellungen (kommt mir irgendwie bekannt vor) erstellen. Etwas verwirrt bin ich, weil die erste Seite nur komische Blöcke in Schwarz/Weiss enthält. Wird wohl kaum die Testseite sein; doch ehe ich erneut einen Versuch starten kann, wird die Testseite ausgedruckt. Woran es liegt, ich weiss es nicht, vielleicht habe ich das Gerät im falschen Moment eigeschaltet. Alles in allem brauche ich etwa 10 Minuten um den Drucker zu installieren.
Der Scanner sowie die Digitalkamera arbeiten von Beginn weg und ohne manuelle Treiberinstallation. Bei der Digitalkamera gelingt es mir auf Anhib aber nicht, diese mit digicam anzusprechen. Die DVD mit dem selbstgedrehten Movie funktioniert; direkt beim Einlegen (Koffeine) wird der Player gestartet; allerdings erscheinen einige Meldungen, die mich darauf hinwiesen, dass möglicherweise nicht alle DVDs laufen würden.
Dies ist definitiv bei der verschlüsselten DVD der Fall. Kein Pips und schon gar kein Bild sind verfügbar. Koffeine gibt eine Meldung aus, mit der ich (Suchmaschine sei dank) zusammen mit den Schlagwörtern 'kubuntu' und 'koffeine' eine Support-Meldung auf den Ubuntu-Foren finde, welche mich darauf hinweist, dass (K)Ubuntu freie Software sei und dass das Abspielen von verschlüsselten DVDs mit freier Software nicht möglich wäre. Ich könne aber in Aptitude eine Zeile hinzufügen, um kommerzielle Programme von Canonical zu beziehen. Das habe ich gemacht, muss aber gestehen, dass ich letztlich auf der Konsole gelandet bin, und wer nicht strikte die Anweisungen befolgt, der dürfte keine verschlüsselten DVDs abspielen. Nach ca. knappen 20 Minuten kann ich endlich die DVD abspielen, nach ca. insgesamt 60 Minuten ist der Job erledigt.
FAZIT
Die Installation beider System ist erstaunlich einfach geworden. Mit zwei Ausnahmen: Wer eine OEM-Version von Windows einsetzt, wird wohl am Formatieren der Festplatte nagen, wer Kubuntu einsetzt und verschlüsselte DVDs abspielen möchte, der sieht für kurze Zeit die Kommandozeile.
Eine Diskussion bzw. Demonstration zu den beiden Installationen erfolgt am 4. Dezember 2006 im Rahmen der OpenMondays der Archivista GmbH (siehe
http://www.archivista.ch). Die Veranstaltung ist öffentlich, sie findet am 4. Dezember 2006 um 19:00 bis ca. 20:30 Uhr an der Fliederstrasse 16 in 8006 Zürich statt.