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Berufsbildung: Schweiz vor Informatiker-Mangel
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Standard Berufsbildung: Schweiz vor Informatiker-Mangel - 19.05.2004, 13:13

Heute in der Handelszeitung:

Berufsbildung: Schweiz vor Informatiker-Mangel

Zieht die Wirtschaft weiter an, fehlen in der Schweiz Tausende von Informatikern.

In der Informatik sollten ab diesem Sommer jährlich 3000 bis 3500 Lehrverträge neu abgeschlossen werden. So das Ziel der im Jahr 2000 gegründeten Genossenschaft Informatik Berufsbildung Schweiz (I-CH). Die Vorgabe wird krass verfehlt: Gerade mal 1100 bis 1200 junge Menschen beginnen dieses Jahr eine Informatikerlehre. Und das
ist positiv geschätzt. Denn der Beruf ist alles andere als en vogue. Letztes Jahr begannen satte 40% weniger Jugendliche eine Informatikerlehre als noch 2002. Die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge liegt damit unter dem Stand von 1999.

Selbst wenn dieser alarmierende Rückgang gestoppt werden sollte, ist der Schaden schon angerichtet: «Erholt sich die Wirtschaft, stehen wir vor einem Engpass.» Das sagt Martin Stalder, I-CH-Projektleiter des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). Alfred Breu, Präsident der Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik, malt die Situation noch schwärzer: «In vielen Bereichen fehlen uns schon heute Informatikspezialisten. Hält der Aufschwung an, werden sich die Probleme deutlich verschärfen».


*Die Nachfrage lässt sich kaum decken*


Und der Aufschwung hält an. Damit steigt trotz Auslagerung gewisser IT-Arbeitsplätze ins Ausland der inländische Bedarf an Informatikerinnen und Informatikern aus konjunkturellen und strukturellen Gründen. Und zwar massiv, wie Erhebungen von Carl August Zehnder, emeritierter Informatik-Professor an der ETH Zürich, zeigen. Er rechnet 2010 mit einem Bedarf von 120000 Informatikfachleuten. Momentan sind es rund 110000. Die Lücke von 10000 Stellen kann sich bei einer neuerlichen Überhitzung ohne weiteres sogar noch erhöhen, da Zehnder in seiner Schätzung den zusätzlichen Bedarf an Informatikern vor allem auf Grund der zunehmenden Informatikanwender im Beruf berechnet.


Doch auch ohne diesen jährlichen Mehrbedarf an Informatikern lässt sich die Nachfrage nach qualifiziertem Personal kaum decken. Denn gemäss des BBT-Berichts «zur Situation Berufsbildung ICT in der Schweiz» von 2003 müssen jährlich mindestens 4% der Informatikfachleute ersetzt werden, sei es wegen Pensionierung, Berufswechsel oder -aufgabe. Das entspricht einer durchschnittlichen Verweildauer der Informatiker von 25 Jahren in ihrem Job. Experten gehen von einer kürzeren Verweildauer und entsprechend von einem jährlichen Nachwuchsbedarf von rund 7% aus. Im Klartext: 4500 bis 7000 Informatiker müssten Jahr für Jahr nachrücken, um nur schon den heutigen Bestand zu halten. Doch nur gerade halb so viele verlassen jährlich die Lehrplätze, Privat-, Hoch- und Fachschulen sowie die Universitäten. Letztes Jahr waren es knapp 2500, dieses Jahr werden es noch weniger sein. Dazu trägt nicht nur die sinkende Anzahl von Ausbildungsplätzen im dualen Berufsbildungssystem bei, sondern auch die Abnahme von Informatikstudenten, etwa an der ETH und der Universität Zürich. Hier reduzierte sich die Anzahl Neueinschreibungen letztes Jahr im Vergleich zu 2002 um 35% auf 279.


Gründe für das rückläufige Interesse an einer Informatikausbildung gibt es viele. Zum Beispiel der Grundlohn, der in den letzten Jahren stark gesunken ist. Oder der sich verschärfende Lehrstellenmangel im Informatikbereich. Am schlimmsten steht es jedoch um die Arbeitsplatzsicherheit, die von den Schulabgängern am stärksten gewichtet wird. Um diese scheint es nach dem Internet-Hype wahrlich schlecht bestellt, betrachtet man all die Meldungen von Stellenabbau, Betriebsschliessungen und Auslagerung von Arbeitsplätzen.


Viele angehende Lehrlinge und vor allem deren Eltern sind verunsichert und empfehlen deshalb ihren Sprösslingen eher eine andere Lehre oder dann den Weg über die Matura. Dadurch fehlen in der Informatiklehre zunehmend die «High Potentials». «Das ist sehr bedauerlich», sagt Alfred Breu. «Vor allem weil angesichts des Mangels an qualifizierten Fachkräften ein guter Informatiker in den nächsten zehn Jahren einen Job auf sicher hat.» Gleicher Ansicht ist Carl August Zehnder: «Die Informatikbranche ist eine Zukunftsbranche, die unbedingt sehr gut ausgebildete Leute braucht. Das zeigt sich schon daran, dass jeder unserer Informatikstudenten mühelos eine Stelle gefunden hat.»


*80 Prozent haben keine qualifizierte Berufsausbildung*


Der gravierende Unterbestand an ausgebildeten Informatikern wurde bisher von «Quereinsteigern» zumindest teilweise kompensiert. Zehnder: «80% der heutigen Informatiker haben eine andere Erstausbildung, und ein Grossteil von diesen hat in Informatik keine qualifizierte Berufsausbildung absolviert. Das ist über alle Berufsbranchen gesehen einzigartig.» Zwar verhinderten diese Quereinsteiger bisher erfolgreich einen grösseren Informatikermangel, doch Qualitätsmängel können sie nicht beseitigen. «Uns fehlen vor allem Spitzenkräfte mit Projekterfahrung», erklärt Breu und verweist auf weit über 300 offene Stellen eines einzigen Informatikdienstleisters in der Schweiz. «Die meisten Jobausschreibungen stellen hohe Anforderungen, die nur jemand mit einer fundierten Ausbildung und Berufserfahrung erfüllen kann.» Deshalb hat sich das BBT zum Ziel gesetzt, den Anteil der Informatiker mit Berufsausbildung in den nächsten Jahren zu erhöhen.


Angesichts der angespannten Lage dürften aber das BBT wie auch die Wirtschaft zumindest in den nächsten fünf bis sechs Jahren für jeden noch so dürftig fachgebildeten Quereinsteiger dankbar sein. Denn selbst wenn die Interessenverbände in der Schweiz mehr Ausbildungsplätze schaffen und mehr Jugendliche zum Einstieg in die Informatikerbranche motivieren können, können die Früchte bei einer Lehre erst nach vier und bei einem Studium nach fünf bis sechs Jahren geerntet werden. Kommt hinzu, dass über 50% der Studierenden und über 10% der Informatiklehrlinge die Ausbildung abbrechen.


Die Ausfallrate an der Universität ist nicht ohne Grund so hoch: Viele Studenten planen schon im Voraus, ihr Studium nach ein, zwei Jahren abzubrechen. Sie wissen, dass dieser Leistungsausweis auf dem Arbeitsmarkt mehr als genügt, eine gut bezahlte Stelle zu finden.
   
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Standard 19.05.2004, 13:33

hey, dann finde ich nach meiner Universitäts"karriere" vielleicht ja doch noch mal einen Job

Gruss
Daniel


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wechsle nun auch das fach *lol*
dieser bericht versetzt mich ein bisschen in erstaunen
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Standard 20.05.2004, 11:49

Erstaunt mich ebenfalls. Habe eigentlich gedacht, das es genügend Lehrabgänger gibt. Wie wirkt sich das wohl auf die Löhne aus? Hoffentlich steigen die wieder!

Gruss


Der PC rechnet mit allem, nur nicht mit seinem Besitzer.

Der beste Weg einen schlechten Vorschlag vom Tisch zu wischen, besteht darin,
einen besseren zu machen.
   
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Standard 20.05.2004, 22:27

Vor 5-6 Jahren stand in allen Zeitungen, dass in Europa über 500000 Informatiker fehlen, das man dringendst Inder und Pakistani "importieren" müsse um das Loch zu stopfen usw. Eigenartigerweise haben in den letzten Jahren ca. 300000 Menschen im Informatikumfeld (Europaweit) ihren Arbeitsplatz verloren! Soviel zu Zeitungsberichten!


Greez
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Von all den Dingen, die mir verloren gegangen sind, habe ich am meisten an meinem Verstand gehangen. (Ozzy Osbourne)
   
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